Ein (falsches) Lächeln auf’s Gesicht zaubern

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Es kann schwieriger sein, ein falsches Lächeln zu erkennen, als man denkt. Obwohl der Mensch von Natur aus sehr sozial ist, fällt es den meisten Menschen nicht leicht ein Lächeln als authentisch einzustufen.

Gerade hast du angefangen, Geige zu lernen und bittest deinen Freund um Feedback. Dieser antwortet mit einem stummen Nicken und einem Lächeln. Woher weißt du, ob dieses Lächeln echt ist oder nur eine höfliche Geste?

Gesichtsausdrücke spielen eine wichtige Rolle um Emotionen und Absichten von Menschen zu verstehen. Zum Beispiel nehmen wir jemanden mit einem negativen Gesichtsausdruck als weniger vertrauenswürdig wahr, während eine Person mit einem positiven Gesichtsausdruck als vertrauenswürdiger eingestuft wird.

Lächeln wird häufig als vertrauenswürdiges Zeichen wahrgenommen, da es zu einem generellen positiven Ausdruck beiträgt. Lächeln kann jedoch auch verwendet werden, um eine negative Mimik zu verschleiern. Dies erklärt auch, wieso Menschen lächeln, um beim Lügen nicht erwischt zu werden. Woran können wir also festmachen, ob ein Lächeln echt oder falsch ist?

Bild 1. Mimische Muskulatur
The Duchenne smileDas Duchenne-Lächeln
Das menschliche Gesicht beherbergt ganze 43 Muskeln (Bild 1), und um ein Lächeln zu erzeugen sind eine Vielzahl dieser Muskeln nötig. Im 19. Jahrhundert entdeckte der französische Wissenschaftler Guillaume Duchenne, dass nur für ein echtes Lächeln die Augen umgebenden orbicularis coluli Muskeln beansprucht werden. Bei einem falschen Lächeln werden diese Muskeln jedoch nicht aktiviert. Der zygomaticus major Muskel hingegen wird für beide Arten von Lächeln benutzt. Dieser Muskel hebt die Lippenwinkel an und kann bewusst vom Gehirn gesteuert werden, während die Muskeln um die Augen nur unbewusst bei einem echten Lächeln unwillkürlich angespannt werden. Das echte, automatische Lächeln wurde zu Ehren seines Erfinders als Duchenne-Lächeln bezeichnet.

Ein Kodierungsschema fur das Gesicht
Die Emotionsforscher Paul Ekman und Wallace V. Friesen dokumentierten alltägliche Gesichtsbewegungen in einem Kodierungsschema namens ‘ Facial Action Coding System’ (FACS; siehe visuellen Guide). Ähnlich wie bei Duchenne wurde in der FACS Forschung beobachtet, dass Merkmale eines echten Lächeln sowohl hochgezogene Wange, hochgezogene untere Augenwinkel, Falten an den Augenhöhle, geglättete Haut oberhalb der Augen und als auch heruntergezogenen Augenbrauen sind. Im Gegensatz dazu führte ein falsches Lächeln zu keinen vergleichbaren Veränderungen im Augenbereich. Zusammengefasst, sowohl Duchenne als auch Ekman & Friesen behaupten, dass wir zwischen einem echten und falschen Lächeln unterscheiden können, sobald wir uns auf die Muskeln um die Augen konzentrieren.

Ein Umdenken in Bezug auf das Duchenne Lächeln
Vor kurzem haben Girard, Cohn, Yin und andere Forscher die Thematik erneut aufgegriffen, wie Gesichtsausdrücke verwendet werden können, um emotionalen Zustände oder Absichten einer Person zu interpretieren. Sie analysierten 751 Lächeln und Daten von 136 Teilnehmern, die verschiedene Verhaltensversuche mit Bezug zu mit Emotionen ausgeführt haben. Hier widersprachen die Ergebnisse jedoch früheren Forschungen oder stimmten nur vage überein. So lieferten die Muskeln um die Augen zwar einige Informationen über positive Emotionen, aber weit weniger als erwartet. Stattdessen stellte das Team fest, dass andere Merkmale eines Lächelns, wie Intensität und die Dauer, eine wichtigere Rolle bei der Erkennung positiver Emotionen spielten. Der Einfluss dieser Signale scheint darüber hinaus von der spezifischen Verhaltensaufgabe und dessen emotionaler Kontext abhängig zu sein.
Zusammenfassend, um aus einem Lächeln echte Emotionen abzuleiten, sollten wir uns nicht nur auf die Augen konzentrieren, sondern auch auf andere Signale und dabei die spezifische Situation oder den emotionalen Kontext berücksichtigen.

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Lest Weiter
– Ekman, P. (2009). Telling lies: Clues to deceit in the marketplace, politics, and marriage. WW Norton & Company.
– Ekman, P., Davidson, R. J., & Friesen, W. V. (1990). The Duchenne smile: Emotional expression and brain physiology: II. Journal of Personality and Social Psychology, 58(2), 342–353. Link
– Girard, J.M., Cohn, J.F., Yin, L. et al. (2021). Reconsidering the Duchenne Smile: Formalizing and Testing Hypotheses About Eye Constriction and Positive Emotion. Affective Science. Link
– McKie, R. (April, 2015). Psychology of smiling: can you tell a fake smile from a genuine one? The Guardian. Link
– Okubo, M., Kobayashi, A., & Ishikawa, K. (2012). A fake smile thwarts cheater detection. Journal of Nonverbal Behavior, 36(3), 217-225. Link
– Pádua Júnior, F. P., Prado, P. H., Roeder, S. S., & Andrade, E. B. (2016). What a smile means: contextual beliefs and facial emotion expressions in a non-verbal zero-sum game. Frontiers in psychology, 7, 534. Link
– Paul Ekman Group. Fake smile or genuine smile? Link
– Paul Ekman Group. (March, 2018). Using emotional masks to pull off deceit. Link

 

Autorin: Naomi Nota
Redakteurin: Eva Poort
Niederländische Übersetzung: Dennis Joosen
Deutsche Übersetzung: Barbara Molz
Endredaktion: Merel Wolf

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